5 Fragen an Lukas Hubauer zum ESG-Bericht 2025

Die wichtigen Entscheidungen fallen vor dem ersten Spatenstich.

 

Die Bayerische Hausbau Development hat ihren ESG-Bericht 2025 veröffentlicht, den vierten in Folge und erneut freiwillig. Lukas Hubauer, Senior Innovations- und Nachhaltigkeitsmanager, erklärt, warum das Unternehmen nicht auf die Berichtspflicht wartet und wie sich Klimarisiken und Artenvielfalt in konkreten Zahlen fassen lassen.

Herr Hubauer, mit der Omnibus-Initiative hat die EU die Nachhaltigkeitsberichterstattung gerade neu sortiert. Warum berichtet die Bayerische Hausbau Development trotzdem freiwillig?

Weil die Pflicht für uns ohnehin kommt. Als Unternehmen der Schörghuber Gruppe werden wir aller Voraussicht nach ab 2027 berichten müssen. Wer erst dann anfängt, Daten zu sammeln, läuft hinterher. Wir haben unsere Nachhaltigkeitsstrategie schon 2022 verabschiedet und berichten seitdem jährlich. Der aktuelle Bericht lehnt sich an CSRD, ESRS und GRI an und berücksichtigt bereits den Entwurf der vereinfachten ESRS vom November 2025. Mindestens genauso wichtig ist der Nutzen nach innen. Erst wenn wir Jahr für Jahr dieselben Kennzahlen erheben, sehen wir, ob unsere Maßnahmen wirken.

Wo wird Nachhaltigkeit im Projektalltag konkret?

Sehr früh, lange bevor gebaut wird. Unsere Projektteams und ich arbeiten eng zusammen, damit Anforderungen aus der EU-Taxonomie, der CO₂-Reduktion, der Biodiversität und den Zertifizierungen gleich in die Planung einfließen. Viele grundlegende Entscheidungen werden bereits zu Projektbeginn getroffen. Ein zentrales Werkzeug ist die Ökobilanz. Sie zeigt, wie viel CO₂ bei der Herstellung eines Gebäudes entsteht. Bei einem Projekt setzen wir sie schon auf Basis des Bebauungsplans ein, um verschiedene Bauweisen miteinander zu vergleichen. Parallel testen wir neue Materialien. Aktuell untersuchen wir zum Beispiel, ob der Einsatz von Biokohle im Beton eine für uns praktikable Möglichkeit sein kann, CO₂ einzusparen. 

Klimaanpassung spielt im neuen Bericht eine wichtige Rolle. Warum?

Weil unsere Gebäude die Klimaveränderungen der nächsten Jahrzehnte aushalten müssen. Für das Parkside Lerchenauer Feld haben wir den Standort nach den Kriterien der EU-Taxonomie bewertet und dabei ein Worst-Case-Szenario bis zum Ende des Jahrhunderts betrachtet. Das Ergebnis: Bei Wind, Wasser und Bodenbewegungen sind die Risiken gering, bei Hitze erwarten wir langfristig ein mittleres Risiko. Daraus folgen ganz praktische Planungsentscheidungen, etwa ein intensiv begrüntes Retentionsdach, ein bepflanzter Innenhof und ein hoher Grünflächenanteil. Retentionsdächer beziehungsweise Retentionsflächen prüfen wir inzwischen ganz grundsätzlich bei allen Projekten. Sie können Starkregen zurückhalten, die Kanalisation entlasten und zur Kühlung des Mikroklimas beitragen. 

Welche Entwicklung aus dem vergangenen Jahr hat Sie besonders gefreut?

Die an unserem eigenen Standort in Pullach. Dort haben wir 2024 mit dem Beratungsunternehmen Wild Company verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt. Der Biodiversitätsindex ist innerhalb von zwei Jahren von 53 auf 73 Punkte gestiegen. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der von Wild Company untersuchten Firmengelände liegt bei 36. Sogar der Spechtkasten wird inzwischen genutzt. Auf Projektebene schaffen wir über die Planung der Freianlagen den Rahmen, der eine solche Entwicklung in den Jahren nach der Fertigstellung ermöglichen soll. Wir setzen dabei u. A. auf den sogenannten Biotopflächenfaktor. Diese Kennzahl macht die Qualität der Freiraumgestaltung messbar und hilft uns, unterschiedliche Konzepte miteinander zu vergleichen. 

Was steht als Nächstes an?

Unsere Ziele reichen weit über ein Berichtsjahr hinaus. Für die Emissionen aus der Herstellung unserer Gebäude haben wir uns das Ziel gesetzt,  diese bis 2045 um mindestens -75% zu reduzieren im Vergleich zum Jahr 2023. Verbleibende Emissionen sollen dann auf dem Kompensationsweg ausgeglichen werden. Auf dem Weg dorthin haben wir uns für 2030 ein Zwischenziel gesetzt: 142 Kilogramm CO₂e pro Quadratmeter NRF und Baujahr bei einer angenommenen Bauzeit von zwei Jahren. Solche Ziele erreicht man nicht mit einem Bericht, sondern mit vielen Entscheidungen im Projektalltag. Deshalb soll Nachhaltigkeit bei uns keine Prüfung am Ende sein. Sie gehört an den Anfang jedes Projekts.

Über den Autor

Oliver Gruß
Leiter Kommunikation & Marketing

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