Herr Gorski, Sie stehen seit knapp zwei Jahren an der Spitze der Bayerischen Hausbau Development. Hätten Sie sich rückblickend einen besseren Zeitpunkt für den Einstieg gewünscht?
Gordon Gorski: Nein, der Zeitpunkt spielt keine große Rolle. Ich hätte mir für uns alle aber gewünscht, dass der Boom der vergangenen Dekade noch einmal zehn Jahre weitergegangen wäre. Wichtiger als ein Einstiegszeitpunkt ist aber, auf welches Fundament man trifft. Und das ist bei der Bayerische Hausbau Development ein starkes und stabiles.
Rückblickend war es für das Unternehmen ein Vorteil, dass es nach 2018, also in der überhitzten Marktphase, keine Grundstücke mehr angekauft hat. Als Familienunternehmen agiert die Bayerische Hausbau langfristig und nachhaltig. Dass wir in Bieterverfahren ein paar Mal zweiter Sieger wurden, ist aus heutiger Sicht ein Glück. Unser Grundstücksbestand bewegt sich daher in einer Einkaufs-Range von 1978 bis 2018. Dadurch haben wir Einstiegspreise, die heute immer noch tragfähig sind – und das gibt uns eine solide Basis, um auch durch schwierige Zeiten zu kommen.
Wie fällt eine Zwischenbilanz nach eindreiviertel Jahren an der Spitze aus?
Gordon Gorski: Wir haben die Bayerische Hausbau Development moderner aufgestellt, ohne dabei unsere Traditionen zu vergessen. Organisatorisch sind wir von der klassischen Einzelvergabe stärker in Richtung Generalunternehmervergabe gegangen. Das erleichtert Innovation, Digitalisierung und auch das Risikomanagement. Denn eine Insolvenz eines Handwerkers behindert einen Bauprozess enorm. Bei Luxusprojekten oder sehr kleinteiligen Bauvorhaben setzen wir allerdings weiterhin auf die klassische Struktur.
Darüber hinaus werden wir im Bau verstärkt auf Holzhybrid setzen. Das passt gut zu unseren ESG- und Nachhaltigkeitszielen, die auch für unsere Gesellschafter eine sehr große Bedeutung haben. Alle unsere Gebäude sind beispielsweise allergikerfreundlich zertifiziert, und wir achten genau darauf, welche Materialkombinationen wir verwenden.
Dann sind wir gerade mit dem ersten unserer neuen Projekte, dem Lerchenauer Feld mit insgesamt 550 Wohnungen, in den Vertrieb gestartet, bei dem wir die einzelnen Bauabschnitte sequenziell umsetzen werden. Weitere, wie die Freisinger Landstraße mit über 600 Wohnungen, befinden sich noch in der Baurechtsschaffung. Diese Projekte wurden noch in einer Phase sehr niedriger Zinsen geplant, als größere Wohnflächen leichter finanzierbar waren. Heute ist die Situation angespannt, deshalb haben wir die Grundrisse noch einmal geprüft und angepasst: kleinere Wohnungen, optimierte Grundrisse, niedrigere absolute Kaufpreise. So können wir die Leistbarkeit für Käufer sichern.
Zusammenfassend: Wir sind auf einer stabilen Basis unterwegs. Unsere Projekte sind marktfähig, wir haben die Organisation modernisiert und die Nachhaltigkeit fest im Blick. Das alles stimmt mich zuversichtlich, dass wir auch in einem herausfordernden Marktumfeld weiter erfolgreich agieren können.
Herr Pelkofer, was ist aus Sicht des CFO, der jetzt auch ein knappes Jahr an Bord ist, das Besondere an der Bayerischen Hausbau Development?
Stefan Pelkofer: Was man sofort merkt: Man hat die Schörghuber-Gruppe im Hintergrund. Da stecken eine enorme Stärke, Qualität und Marktpräsenz dahinter, die man so nicht überall findet. Davon profitiere ich in meiner Funktion als CFO natürlich. Und die Familienwerte Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit werden hier großgeschrieben und tatsächlich gelebt. Man merkt hier auch, dass ein Unternehmen dieser Größenordnung wahnsinnig viel Power hat, in IT und Prozesslandschaften zu investieren: Prozesse zu optimieren und Kontrollen an den richtigen Stellen zu implementieren oder Abläufe effizient und flexibel zu gestalten.
Also beschleunigt die Finanzperspektive noch einmal das Thema Digitalisierung?
Stefan Pelkofer: Genau. Wir stellen die komplette IT-Landschaft um. SAP haben wir heute schon, jetzt wechseln wir auf SAP HANA und bauen darauf verschiedene Applikationen auf. Wir wollen weg vom Customizing, das wir in der Vergangenheit hatten, hin zu Standardlösungen – und zwar so, dass die Systeme miteinander kommunizieren.
Damit wollen wir von fehleranfälligen Copy-Paste-Lösungen wegkommen. Die kosten nur Zeit und bringen Fehlerpotenzial. Ziel ist, Ende des Jahres durch zu sein und dann Effizienzgewinne zu realisieren.
Seit wann läuft das Projekt?
Stefan Pelkofer: Angeschoben wurde es schon vor meiner Zeit hier.
Gordon Gorski: Jetzt gehen wir den Schritt konsequent Richtung Digitalisierung weiter. Es geht darum, die Datenqualität auf das nächste Level zu bringen. Das ist auch entscheidend für Themen wie den CO₂-Abdruck oder unseren ESG- beziehungsweise CSRD-Bericht. Man merkt einfach, wie viel Aufwand heute noch nötig ist, um die erforderlichen Datenpunkte zusammenzutragen und zu validieren. Mit einer durchdigitalisierten Landschaft wird es deutlich einfacher, weil alle Informationen im System für alle Applikationen nutzbar sind.
Die Beschaffung von Daten ist generell ein großes Thema in Unternehmen und in der der Immobilienwirtschaft.
Stefan Pelkofer: Absolut. Bei Asset-Managern ist es vielleicht noch etwas einfacher, weil sie im Bestand arbeiten und Messwerte haben. Bei uns im Development – Neubau, große Refurbishments – sind es eher Prognosen und Annahmen, keine gemessenen Werte. Aber auch die müssen valide sein und eine hohe Datenqualität haben.
Herr Gorski, Nico Nusmeier, damals CEO der Schörghuber Gruppe, sagte bei Ihrem Amtsantritt: „Das Umfeld auf den Immobilienmärkten, gerade in der Projektentwicklung, ist anhaltend herausfordernd und verlangt neue Antworten.“ Das hat sich nicht wirklich geändert, oder? Wie sehen Sie aktuell den Development-Markt?
Gordon Gorski: Nach dem Ende der Boomphase kam 2022/2023 die harte Krise, ausgelöst von externen Effekten wie Ukrainekrieg, Energiepreisschock, Zinsanstieg. Jetzt müssen wir aber feststellen, dass wir schlicht in einer neuen Marktphase sind, die geprägt ist von diesen Rahmenbedingungen. Und diese werden sich auch erstmal nicht ändern. Das neue Zinsniveau bleibt, auch wenn mehr Planbarkeit reingekommen ist. Auf der Finanzierungsseite haben sich die Kosten für uns signifikant erhöht, und ich sehe da keine Entspannung.
Dazu kommen stark gestiegene Kaufpreise aus der letzten Dekade. Bürogebäude in Toplagen München oder Berlin wurden zum 33- bis 35-fachen gehandelt, wo heute das 20- bis 23-fach üblich ist. Die Mieten sind zwar auch gestiegen, aber nicht genug, um diese Faktoren auszugleichen. Wer in den vergangenen Jahren gekauft hat, hat es da schwer. Es gibt vielleicht hier und da Kaufpreisnachbesserungen, aber keine Kaufpreisreduzierungen. Hier noch einmal der Hinweis auf unseren Vorteil: Wir haben die Hochphase beim Einkauf nicht mitgemacht.
Dann: Die Baukosten steigen zwar nicht mehr zweistellig, aber sie steigen, zumindest aktuell, weiter – 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Dazu kommen lange Prozesse bei Bebauungsplänen. Neue gesetzliche Regelungen im Baugesetzbuch wären für eine Beschleunigung gar nicht das nötig. Es bräuchte eher regional schnellere Verfahren und schnellere oder weniger intensive Partizipationsprozesse, damit Projekte nicht unnötig verzögert werden.
In Summe führt das dazu, dass die Kalkulation bei vielen Projektentwicklern nicht mehr aufgeht. Sie können die gesunkenen Einnahmen oft nicht mehr ausgleichen. Wer zu teuer nach 2018 eingekauft hat, wird Projekte nur schwer wirtschaftlich darstellen können.
Was sind die Antworten der Bayerische Hausbau Development in diesem Umfeld?
Gordon Gorski: Wir setzen auf ein besonders gutes und nachhaltiges Produkt – und wir sehen auch, dass das im Markt angenommen wird. Aber auch wir registrieren, dass die Verkaufszahlen von 10 bis 15 Einheiten pro Monat auf jetzt 5 bis 6 runtergegangen sind. Das ist also mindestens eine Halbierung der Vertriebsgeschwindigkeit. Die Folge sind längere Finanzierungszeiträume und damit höhere Zinslasten. Das ist die aktuelle Gemengelage.
Welche Stellschrauben sehen Sie, um den Markt wieder in Bewegung zu bringen?
Gordon Gorski: Ein Stück weit kann sich der Markt selbst fangen – aber dafür müssen die Baupreise runter. Materialpreise wie Stahl, Holz oder andere Rohstoffe sind Weltmarktpreise, da können wir kaum etwas bewegen. Bei den Lohnkosten dagegen haben wir ein echtes „Bottleneck“. Viele Fachkräfte gehen in den Ruhestand, Nachwuchs kommt zu wenig nach. Diese Lücke lässt sich nur durch Automatisierung und Digitalisierung auffangen –und perspektivisch auch Roboter auf der Baustelle.
Gleichzeitig könnte auch von der Einkommensseite etwas passieren: steigende Löhne oder frühere Vermögensübertragungen der Erbengeneration. Die Nachfrage ist ja da – bis 2030 brauchen wir in Deutschland rund 840.000 zusätzliche Wohnungen. Aber sie müssen bezahlbar sein.